Donald Trump sagt, sein Krieg gegen den Iran solle dem Land „Freiheit“ bringen. Wie das funktionieren soll, sagt er nicht. Angriffe wie diese ändern in ölreichen Ländern meist wenig.
Kritiker unterstellen US-Präsident Donald Trump seit Wochen, ohne Plan Militärschläge gegen den Iran voranzutreiben. Nun, da er die Schläge befohlen hat, stützen seine Begründungen diese Kritik.
1. Trump ändert die Begründung, nicht die Handlung
Als Trump die US-Armada Richtung Iran schickte, begründete er dies auch damit, den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten zu wollen.
Trump ließ die US-Luftwaffe aber bereits im Juli 2025 Angriffe auf die Labors des Programms fliegen. Damals behauptete er gegen die Stimmen seiner Militärs, diese Angriffe hätten das iranische Atomprogramm vollständig vernichtet. Warum er nun erneut ein angeblich vernichtetes Programm angreift, konnte der US-Präsident nicht erklären.
Also änderte er die Begründung. Er betonte stärker die Befreiung der Iraner. Auch diese Erklärung lässt aber Fragen offen. Wechselt ein Politiker so leicht seine Begründung für einen Krieg, geht es ihm eher um den Krieg als die Gründe.
Schlechter Eindruck: Im Jahr 2011 unterstellte Donald Trump dem damaligen Präsidenten Barack Obama, er beginne einen Krieg mit dem Iran, um die Wahl zu gewinnen. Obama führte keinen Krieg gegen den Iran. Trump schon, und das in einem Wahljahr, in dem er gegen schlechte Umfragen kämpft.
2. Ölreiche Länder neigen nicht zu Demokratie und Freiheit
Militärschläge allein bringen ölreichen Ländern selten langfristige Freiheit.
Dominiert in einem Land die Ölförderung die Wirtschaftsleistung, sichert sie den Eigentümern der Ölfelder politische Macht. Diese Eigentümer entscheiden das Schicksal vieler Menschen. Sie können Gefälligkeiten einfordern, Treue mit Geld belohnen und Widerstand durch Geldentzug bestrafen.
Diese Entwicklung spielt gegen eine Demokratie. In Ländern, die ihren Wohlstand aus vielen Bereichen und Firmen schöpfen, entscheiden eher alle gemeinsam. In Ländern, in denen einige wenige Bereiche und Firmen den Wohlstand verteilen, entscheiden häufiger die Eigentümer dieser Firmen.
Im Falle ölreicher Länder heißt das: Oft übernehmen die Eigentümer der Ölfelder die Regierung oder die Regierung übernimmt die Ölfelder. In beiden Fällen liegt viel Macht in den Händen weniger.
Die Entwicklung betrifft nicht nur die Ölindustrie: In den USA weiten Tech-Firmen ihren politischen Einfluss aus, seit sie die Wirtschaft immer stärker prägen. Nun regiert mit Donald Trump ein Präsident, der viele ihrer Forderungen umsetzt. Gleicher Ablauf.
Nachschlag: Im Jahr 2012 sagte Trump wieder: Ein Angriff auf den Iran diene als Trick, um Wahlen zu gewinnen.
3. Luftschläge ändern nichts an grundlegender Dynamik
Im Jahr 1979 vertrieb die iranische Revolution den Schah aus dem Land. Auf ihn folgte der Ayatollah. Dieser begründete seine Regierung anders. Ein Demokrat war auch er nicht.
Entmachtet Trump nun die islamistische Regierung, folgt auf sie wohl wieder eine Form der Diktatur. Solange der Iran keine weiteren Wirtschaftsbereiche aufbaut, die ähnlich viel zum Wohlstand beitragen wie die Ölindustrie, bleibt dies das wahrscheinlichste Ergebnis.
Trump lässt kein Interesse erkennen, diese Wirtschaftsbereiche aufzubauen. Er kritisierte die US-Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak. Im Iran wird er kaum langfristig Truppen stationieren, um eine junge Demokratie abzusichern, bis ihre Wirtschaft blüht.
Diese Absicherung wäre auch nötig, um die weiteren Bereiche zu verändern, die eine Demokratie stützen: politische Kultur, demokratische Bildung, organisierte Zivilgesellschaft, neue Verwaltung. Trump verhängte zudem Sanktionen gegen den Iran, die die Wirtschaft abwürgen. Damit steigerte er die Bedeutung der Ölindustrie.
Alle Jahre wieder: Im Jahr 2013 betonte Trump noch einmal: Wer den Iran angreift, wolle eine Wahl gewinnen und entlarve sich als schlechter Verhandler.
Nun töten die Vereinigten Staaten einen Diktator. Sie belassen aber all die Strukturen, die von dessen Diktatur profitierten. Also schaffen diese Strukturen den nächsten Diktator. Schlimmstenfalls versinken sie im Chaos.
Die Hoffnung, Ermordungen führten zu Freiheit und Demokratie, scheitert fast sicher. Sie verwendet populistisches Endsieg-Denken: „Wir müssen nur X tun und alles wird für immer gut.“ So funktioniert die Welt nicht. Es gibt immer einen Tag danach, neue Herausforderungen. Wer alles auf Endsiege setzt, plant nicht für den Tag danach. Also scheitert er an seinen Herausforderungen.
Donald Trump fordert nun, die Iraner sollen ihre Revolution vollenden. Vieles spricht dagegen, dass sie dies ohne massive Hilfe von außen können. Dass Trump es dennoch verlangt, legt nahe: Ihm fehlt dieser Plan. Sein Krieg gegen den Iran wird scheitern.
Artikelbild: The White House – https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/55119144383/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=185142833.




