Die AfD sagt, sie vertrete deutsche Interessen. Gleichzeitig verbündet sie sich mit Trump und anderen Populisten. Das passt nicht zusammen.
Die AfD wirbt mit „Unser Land zuerst“. Gleichzeitig verbrüdert sie sich mit Politikern, die „Amerika zuerst“ rufen. Sie lobt jene, die „Italien zuerst“ fordern. Und „Österreich zuerst“. Und so weiter.
Politik nach dem Motto „Unser Land zuerst“ endet mit „Unser Land zuletzt“. Sie verursacht ähnliche Probleme wie der Versuch, im Alltag die eigenen Interessen kompromisslos gegen alle durchzusetzen. Zwei Beispiele: Die Mehrheit der Briten hält den Brexit heute für falsch. Und nach dem ersten Jahr „America First“ urteilt die Financial Times über Trumps Wissenschaftspolitik, das Weiße Haus hätte keine wirksamere „America Last“-Politik entwerfen können.
Das ist kein Zufall. Der Fehler steckt im Versprechen selbst.
Es können nicht alle zuerst kommen
Wer meint, deutsche Interessen könnten immer „zuerst“ kommen, muss erklären: Was nützt es Deutschland, wenn die AfD Donald Trump, Herbert Kickl und Geert Wilders stärkt? Auch sie versprechen, ihre Länder immer an erste Stelle zu stellen.
Wollen alle Staaten zuerst kommen, ringen sie zwangsläufig um Land, Macht, Einfluss. Deutschland, Österreich und Italien brauchen beispielsweise alle Öl, Gas und andere Rohstoffe. Nur einer kann den besten Vertrag bekommen: die sicherste Versorgung zum niedrigsten Preis.
Populisten bezeichnen sich und andere Populisten als stark, Demokraten als schwach. Wer Streit für unvermeidbar hält, sucht sich schwache Gegner. Folgerichtig müssten Populisten in anderen Ländern Demokraten unterstützen. Es ergäbe keinen Sinn, ausgerechnet angeblich starke Nationalisten zu fördern.
Trotzdem helfen Populisten einander. Nach ihrer eigenen Logik tun sie damit, was ihren Ländern schadet: Sie stärken die angeblich Starken.
Populisten schmieden auf Konferenzen mit Populisten anderer Länder gemeinsame Pläne, obwohl sie internationale Zusammenarbeit als Grundübel unserer Zeit brandmarken. Die Veranstalter der CPAC Hungary beklagten 2025 auf ihrer Website, der Internationalismus habe die patriotische Tugend verdrängt. Dort traten auch auf Alice Weidel (AfD) aus Deutschland, Herbert Kickl aus Österreich, Geert Wilders aus den Niederlanden und Santiago Abascal aus Spanien.

Widerspruch: Der britische Rechtspopulist und Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage spricht auf der Konferenz CPAC. Dort treffen sich Populisten, die alle das gleiche versprechen: Unser Land zuerst. Foto: Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America - Nigel Farage, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=160529911.
Deutschland zuerst? Nicht mit der AfD
Warum verbündet sich die AfD trotzdem mit anderen Zuerst-Parteien? Zwei mögliche Erklärungen bieten sich an. Erstens: Die AfD übersieht den drohenden Streit. Unwahrscheinlich. In einer Partei mit 75.000 Mitgliedern dürfte er zumindest einigen auffallen. Zweitens: Die Partei meint ihr „zuerst“ nicht ernst. Diese Erklärung überzeugt.
Die „Zuerst-Rhetorik“ ist klassischer Populismus. Sie behauptet, egoistische Politik sei klüger, realistischer, ehrlicher. Andere Parteien seien aber zu schwach oder verlogen, dies zuzugeben.
In Wahrheit seien Populisten selbst schlechte Egoisten, schreibt Janan Ganesh in der Financial Times. Sie betrieben Politik als Sport, dessen Folgen sie nicht kümmerten. Diese Folgen treffen jedoch uns Wähler. Deshalb sollten wir keine Populisten wählen.
Denn: In der Politik gewinnen alle oder keiner. Kluge Egoisten verstehen das und sorgen dafür, dass alle gewinnen. So landen sie beim gleichen Ergebnis wie kluge Idealisten.
Nach Russlands Überfall auf die Ukraine überboten sich Europas Staaten zunächst beim Gaseinkauf. Seit Dezember 2022 können sie gemeinsam einkaufen. Das senkt die Preise, weil der Wettbewerb untereinander entfällt.
Zusammenarbeit hilft allen. Lassen wir sie uns nicht ausreden. Wer will, dass es Deutschland gut geht, wählt keine Partei, die „Unser Land zuerst“ plakatiert und „America First“ beklatscht.
Wie wir Populismus erkennen und aus der Politik verbannen, erfahren Sie in meinem Buch „Es gewinnen alle oder keiner“.

Artikelbild: Deutschland zuerst. Und Ungarn. Und… AfD-Vorsitzende Alice Weidel auf der Konferenz CPAC Hungary (Conservative Political Action Conference) in Ungarn im Jahr 2025. CPAC-Konferenzen finden unter anderem in Brasilien und Polen statt. Oft beschäftigen sie sich inzwischen wenig mit konservativer Politik und eher mit demokratiefeindlichem Populismus. Foto: Elekes Andor – Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166616164.




