Das Weiße Haus sagt, die Zölle fielen womöglich doch niedriger aus. Die Aktienmärkte schnellen hoch. Dabei will Trump nicht sagen, was er plant. Er will verwirren. Lernen wir die Lektion endlich.
Obwohl die Aktienmärkte seit Monaten fallen und obwohl Donald Trumps Regierung in den USA die Aktionäre verängstigt, zeigt ein zufälliger Montag, dass wir immer noch das Wichtigste übersehen.
Trumps lange angekündigte Zölle könnten niedriger ausfallen als erwartet, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Dies habe ein Regierungsmitarbeiter angedeutet. Sofort springt die Tesla-Aktie um über zehn Prozent hoch. Der Gesamtmarkt legt deutlich zu.
Man könnte meinen, die Aktienhändler hätten nichts verstanden.
Trump flutet die Zone mit Mist
Natürlich macht es sehr viel Sinn, Aktienbewertungen nach Zöllen auszurichten. Zölle kennen nur Verlierer. Niedrigere Zölle helfen Menschen, Wirtschaft und Aktienmarkt.
Aktienbewertungen müssen die Zukunft aber auf viele Jahre voraussagen. Leeres Gerede beeinflusst die Zukunft nicht. In diese Kategorie fallen derzeit aber die meisten Aussagen aus dem Weißen Haus.
Hätte Trump einfach nur Zölle verhängen wollen, hätte er es längst getan. Das ständige Hin und Her, das Ankündigen einer großen Entscheidung für Anfang April, die ewigen kleinen Andeutungen, all das bringt in der Sache nichts. Trump macht es aus zwei Gründen:
- Es verschafft ihm Aufmerksamkeit. Das mag er.
- Es flutet die Nachrichten mit Unsinn. Trump nutzt die gleiche Propaganda-Technik wie Russlands Diktator Wladimir Putin und viele Regenten vor ihm. Schauen wir uns den Trick genauer an.
Verstecke den Schrecken hinter viel, viel Unsinn
Nero reichten 14 Jahre, um das Römische Reich an den Rand des Untergangs zu bringen. In seiner Amtszeit von 54 bis 68 nach Christus verbannte der Kaiser Dichter, weil sie talentiert waren als er. Er versuchte, seine Mutter zu ermorden. Dann heiratete er öffentlich einen jungen Mann, der aussah wie seine verstorbene Frau. Bei den Olympischen Spielen ließ er sich zum Sieger erklären, obwohl er das Ziel nie erreichte.
Gleichzeitig erhöhte Nero die Steuern, ließ Rom brennen, vernachlässigt das Militär, provozierte Aufstände. Abends sperrt er die Elite der Stadt ins Theater, und sang stundenlang für sie.
Das war nicht nur Größenwahn. Das war Methode.
Autokraten überfordern mit Absicht. Sie verbreiten Chaos, bis niemand mehr Ernstes von Theater trennen kann. Sie lenken ab, verwirren, überfordern.
Sie „fluten die Zone“, wie es Trumps ehemaliger Chefberater Steve Bannon formulierte. Jeden Tag neue Skandale, neue Schlagzeilen, neue Empörung. Sie überfordern die Menschen, bis diese aufgeben. Sie sollen nicht länger an Wahrheit glauben und nicht länger nach ihr suchen. Währenddessen bauen die Autokraten abseits der Aufmerksamkeit den Staat so um, dass sie ihre Macht sichern.
Streut die Trump-Regierung Zinsgerüchte, flutet sie die Zone. Sie liefert uns weder Berichtenswertes noch einen Grund, Aktien zu kaufen.
Drei Erkenntnisse für die Menschen in Deutschland
Autokraten arbeiten mit Chaos – nicht aus Versehen, sondern gezielt. Wer sich von ihrem Chaos treiben lässt, fällt auf sie herein. Wir müssen Wichtiges von Unwichtigem trennen.
Wichtig ist:
- Trump baut die USA um. Er und seine Gruppe regieren weitgehend unbeschränkt von Gerichten und Parlamenten. Kommt er durch, sichert er sich oder einem Mitglied seiner Gruppe die nächste Präsidentschaft.
- Trumps Handeln schadet Deutschland. Staaten erzeugen Wohlstand, wenn sie möglichst viele Menschen möglichst gleichberechtigt an ihrer Gesellschaft beteiligen und sonst keine Probleme schaffen. Trump grenzt Menschen aus, zerstört die Gewaltenteilung und schafft ständig Probleme. Er zerschlägt das Fundament, das die USA seit Jahrzehnten immer wohlhabender macht. Als größte Weltwirtschaft und einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, trifft dieser Schaden auch die Menschen hierzulande.
- Hält Trump niemand auf, kommt er durch: Nichts spricht dafür, dass Trump seinen Chaos-Kurs aufgibt. Unternimmt niemand etwas gegen ihn, schadet er den USA, Deutschland und der Welt immer weiter. Die Zeiten von immer mehr Wohlstand, immer bessere Welt sind dann vorbei.
Das ist das wahre Problem. Lassen wir uns nicht davon ablenken.
Wie wir Populismus erkennen und aus der Politik verbannen, erfahren Sie in meinem Buch „Es gewinnen alle oder keiner“.

Artikelbild: By The White House – https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54327506193/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=159755553