Während Donald Trump durch die Politik irrlichtert, verfolgen hinter ihm Menschen große Pläne: Elon Musk, Peter Thiel und Peter Navarro wollen die Welt verändern. Weil sie aber wie Dorfphilosophen denken, ruinieren sie diese.
Diese Woche zeigt Elon Musk im Interview bei FOX Business, wie Selbstüberschätzer die USA regieren. Musk, einer der reichsten Menschen der Welt und von Trump damit beauftragt, den Staat zu verkleinern, sagt, Sozialhilfeprogramme seien Betrug. Die Demokraten hätten sie erfunden, um illegale Migranten ins Land zu locken und mit deren Stimmen alle Wahlen zu gewinnen. „Das ist das große Ding, dass wir streichen müssen.“
Musk spricht wie ein Dorfphilosoph. Wer versteht, warum, versteht auch, warum kein Land der Welt eine einzelne Person mit so viel kaum kontrollierter Macht ausstatten sollte wie Musk sie in den USA besitzt. Er versteht, warum wir die Dorfphilosophen, die sich durch die deutsche Politik beleidigen, besser nicht unterstützen sollten.
Falls Sie von einem Ahnungslosen Unsinniges vorgestammelt bekommen wollen, hier ist ihre Chance: Elon Musk bei FOX Business.
Donald Trump lässt den Dorfphilosophen Elon Musk den Staat zerschlagen, weil keiner von beiden ihn versteht
Musk kann froh sein, dass das Interview im republikanischen Propagandakanal FOX Business, einem Ableger von FOX News, stattfindet. Der Moderator nickt nur: „Ja. Ja.“ Ein echter Journalist hätte Musk als den Ahnungslosen entlarvt, der er ist.
Natürlich leben in den USA viele illegale Migranten. Aber:
- Illegale Migranten dürfen nicht wählen.
- Illegale Migranten bekommen keine Sozialhilfe.
- Illegale Migranten arbeiten meist unter falschen Namen. Sie zahlen einen Teil ihres Gehalts in die Sozialhilfe ein, ohne je wieder etwas herauszubekommen. Dadurch vergünstigen sie die Beiträge amerikanischer Angestellter.
Die Demokraten können illegale Migranten also nicht mit Sozialhilfe in die USA locken, um sich ihre Wählerstimmen zu sichern. Die Verschwörungstheorie ergibt offensichtlich keinen Sinn.
Musk übersieht das. Weil er fast ausschließlich in Verschwörungstheorien denkt, kämpft er ständig gegen erfundene Feinde. Er behauptete auch schon, die USA zahlten jährlich 100 Milliarden Dollar Sozialhilfe an Tote, von denen viele älter als 150 Jahre sein müssten. Dabei handelt es sich aber einfach um noch nicht bereinigte Karteieinträge. Zwar als „verstorben“ vermerkt, aber eben noch in der Datenbank. Staatsgeld bekommen sie nicht. Ohnehin erhalten dies nur rund 50 Prozent der über 100-Jährigen.
Der wohl zweitmächtigste Mensch der USA, nicht gewählt, aber von Präsident Donald Trump mit immensen Freiheiten ausgestattet, entlässt über Nacht Zehntausende Staatsbedienstete. Er will die sozialen Sicherungssysteme zerschlagen und das Bildungsministerium abschaffen. Aber er versteht nicht, was diese Dinge tun. Er könnte kaum eine schlechtere Position halten als ein hohes politisches Amt mit wenig Kontrolle. Besorgniserregend.
Fans von Musk übersehen diese offensichtliche Tatsche, weil dieser mit Tesla, SpaceX und Paypal erfolgreiche Unternehmen mit aufgebaut hat. Er vereint Talent und Intelligenz. Aber eben nicht für die Politik. Dort agiert er wie ein Dorfphilosoph.
Durchdenkt nicht alles: Elon Musk teilte auf X einen Beitrag, der die Schuld an Holocaust, Gulag und Großem Sprung nach Vorn Staatsbeamten zuschreibt, statt den Diktatoren, die sie erdachten und befahlen. Er leitet außerdem mehrere Unternehmen, nimmt Drogen, Twittert ständig - und entlässt aus ähnlichen Launen Hunderttausende Staatsangestellte. Das kann nicht gutgehen.
Die Dorfphilosophen bekämpfen alle, die anders denken – damit sie weiter an ihr Genie glauben können
Dorfphilosophen sind Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Sie leiten Unternehmen, erfinden Neues. Dann beschäftigen sie sich mit Philosophie und stellen fest, plötzlich auch mehr von Philosophie zu verstehen, als die Menschen in ihrem Umfeld. Also folgern sie, sie seien genauso geniale Philosophen wie Unternehmer und Wissenschaftler. Sind sie aber nicht.
Oft sind diese Menschen die besten Denker ihres sprichwörtlichen Dorfs. Mehr nicht. Würden sie mit echten Philosophen reden, würden sie die riesige Lücken in ihrem Denken erkennen. Das vermeiden sie aber.
Geniale Unternehmer und Erfinder sind Kritik gewohnt. Sie haben schon erreicht, was alle für unmöglich hielten. Zweifeln nun wieder Menschen an ihren Ideen, verunsichert sie das nicht. Sie glauben wieder, es besser zu wissen. Wie ein genialer Fleischer, der sich aus dem Stegreif eine Herz-OP zutraut.
Das passiert derzeit rund um Donald Trump. Elon Musk, Facebook-Investor Peter Thiel und andere libertäre Tech-Milliardäre wollen die USA in ein Hightech-Utopia umbauen, geprägt von künstlicher Intelligenz und Autarkie. Doch ihre Pläne stecken voller Widersprüche, ihr politisches Denken ist unausgereift. Keine systematische Herangehensweise. Keine Erfahrung. Keine Suche nach Gegenbeweisen. Sowas geht selten gut.
Diese Dorfphilosophen treiben ihre Konzepte auf die Spitze. Jeden, der ihre Vision anzweifelt, sehen sie als Teil des alten, angeblich überholten Systems. Sie reagieren mit Beleidigungen statt dazuzulernen.

Lebt Dank Freihandel im mit Abstand wohlhabendsten Land der Welt: Donald Trump.
Der Traum der neuen US-Autarkie
Einer ihrer Pläne: Die USA sollen sich vom Weltmarkt entkoppeln. Protektionismus, Zölle und der Rückbau internationaler Handelsbeziehungen sollen helfen, die Produktion wieder ins Land zu holen.
KI-gesteuerte Fabriken, betrieben von wenigen Menschen, sollen eine neue industrielle Revolution einläuten. Damit, so die These, werden die USA unabhängiger und stärker. Der Rest der Welt, insbesondere Europa, sei ohnehin zu alt und unwichtig.
Bezeichnet Leistungsempfänger als Parasiten und glaubt, 90 Prozent der Amerikaner lieben ihn dafür: Elon Musk.
Demgegenüber steht Peter Navarro. Donald Trumps Berater für Handel und Industrieproduktion will ebenfalls Fertigungsindustrien ins Land zurückholen. Aber er will damit Jobs sichern statt hocheffiziente KI-Fabriken schaffen.
Auch Navarro, eigentlich ein Harvard-Professor, ist ein Dorfphilosoph. Er gehörte „nie zu der Gruppe von Ökonomen, die das globale Freihandelssystem untersucht haben“, sagt der Wirtschaftsprofessor und tatsächliche Freihandelsexperte Lee Branstetter. „Er publiziert nicht in Fachzeitschriften. Was er jetzt schreibt und sagt, hat nichts mit dem zu tun, worüber er in Harvard promoviert hat… Er betreibt keine Forschung, die den wissenschaftlichen Standards dieser Gemeinschaft entsprechen würde.“
Unter Donald Trump streiten also fachfremde, aber völlig von sich überzeugte Dorfphilosophen darüber, wie sie die USA umbauen. Das könnte unter einem Präsidenten, der ihre widersprüchlichen Ziele klug managt womöglich sogar gut gehen. Doch Trump sucht lieber Wege, trotz Ahnungslosigkeit gut auszusehen.
Deswegen verfolgt die US-Regierung eine widersprüchliche Wirtschafts- und Handelspolitik:
- Sie ruft nach freien Märkten, baut die Wirtschaft aber planwirtschaftlich um, wie es zuletzt die Sowjetunion tat.
- Sie hofft, US-Fabriken durch KI hocheffizient zu betreiben, obwohl sich in vielen Unternehmen selbst die Digitalisierung nur schleppend durchsetzt: Baufirmen für einfache Häuser planen beispielsweise weiter viel mit Bleistift und Papier.
- Sie behauptet, dass sie Jobs zurück in die USA holen will, doch ihre automatisierten Fabriken bieten kaum Arbeitsplätze.
- Sie setzt auf die US-Binnennachfrage, doch wer soll die Produkte kaufen, wenn es kaum noch gut bezahlte Jobs gibt?
Das kann nicht gutgehen, denn die Widersprüche bestehen dadurch weiter. Schalten diese Dorfphilosophen weiter, wie sie wollen, stehen die USA vor einer Wirtschaftskrise.
Das Experiment mit der größten Wirtschaft der Welt
Politische Eingriffe scheitern oft, weil sie zu früh kommen oder schlecht umgesetzt werden. In Deutschland geschah dies bei E-Autos und Wärmepumpen: Geförderte Industrien produzierten am Markt vorbei. Das schadete der Wirtschaft, aber nur in einigen Branchen.
Trumps Umfeld plant Radikaleres. Ihnen geht es nicht um einzelne Branchen. Ihnen geht es um das gesamte Wirtschafts- und Regierungssystem. Wenn Zölle eingeführt, Behörden abgeschafft und politische Bündnisse aufgekündigt werden, betrifft das jedes Unternehmen, jede Region, jeden Bürger. Wir erleben kein Experiment mit einem Teil der Wirtschaft. Wir erleben ein Experiment mit dem gesamten Wohlstand. Scheitert es, scheitert nicht nur ein Industriezweig. Dann scheitert die größte Volkswirtschaft der Welt.
Es ist wichtig, dieses Chaos klar zu benennen. Wer nach Logik im Chaos sucht, stellt sich auf die Seite des Chaos. Das Chaos kennt keine Logik.
Fazit
- Große Denker in einem Bereich sind nicht automatisch gute Philosophen oder politische Visionäre.
- Die Pläne um Trump klingen ambitioniert, scheitern aber an ihrer eigenen Widersprüchlichkeit.
- Wer glaubt, das jetzige Chaos sei nur eine Phase auf dem Weg zu etwas Besserem, unterschätzt die Gefahr.
Wie wir Populismus erkennen und aus der Politik verbannen, erfahren Sie in meinem Buch „Es gewinnen alle oder keiner“.

Artikelbild: By Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America – Elon Musk, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=160559377