Die AfD sagt, sie vertrete deutsche Interessen. Gleichzeitig verbündet sie sich mit Trump und anderen Populisten. Das passt nicht zusammen.
Die AfD wirbt mit dem Spruch „Deutschland zuerst“. Gleichzeitig verbrüdert sie sich mit „Amerika zuerst“-Politikern. Und mit „Italien zuerst“. Und „Großbritannien zuerst.“ Und so weiter.
Die Geschichte zeigt: Politik nach dem Motto „Unser Land zuerst“ schafft in Wahrheit „Unser Land zuletzt“. Sie verursacht ähnliche Probleme wie der Versuch, im Alltag die eigenen Interessen unangepasst gegen alle durchzusetzen. Die Reue vieler Briten, die den Brexit in Umfragen mehrheitlich als großen Fehler bewerten, und die Erfahrungen der USA unter Donald Trump liefern zwei junge Beispiele dieses zeitlosen Grundsatzes.
Leider stimmt: Diese Botschaft erreicht längst nicht alle Wähler. Glücklicherweise stimmt auch: Das muss sie auch nicht.
Es können nicht alle zuerst kommen
Wer meint, deutsche Interessen könnten trotz allem irgendwie immer „zuerst“ kommen, muss sich die Frage gefallen lassen: Was bringt es Deutschland, wenn wir Donald Trump, Nigel Farage, Viktor Orbán und Marine Le Pen unterstützen, die die Interessen ihrer Länder ebenfalls immer „zuerst“ kommen lassen wollen?
Mehrere „Unser Land zuerst“-Botschaften bleiben unvereinbar.
- Wollen alle Staaten zuerst kommen, wetteifern sie zwangsweise um Land, Macht, Einfluss.
- Populisten bezeichnen sich und andere Populisten als stark, Demokraten als schwach.
- Wäre Streit unvermeidbar, wählen kluge Politiker schwache Gegner.
- Würden Populisten logisch handeln, würden sie deshalb in anderen Ländern Demokraten unterstützen. Es ergäbe wenig Sinn ausgerechnet starke Nationalisten zu fördern.
Trotzdem helfen sich Populisten gegenseitig. Nach ihrer eigenen Logik tun sie, was ihren Ländern schadet: Sie stärken die angeblich Starken. Sie schmieden sogar auf Konferenzen mit Populisten anderer Länder gemeinsame Pläne, obwohl sie internationale Zusammenarbeit als Grundübel unserer Zeit brandmarken.

Widerspruch: Der britische Rechtspopulist und Brexit-Initiator Nigel Farage spricht vor der inzwischen ebenfalls rechtspopulistischen amerikanischen Konferenz CPAC. Zu diesen Konferenzen reisen Rechtspopulisten vieler Länder. Sie sagen, die Interessen ihrer Länder hart gegen alle anderen Staaten durchsetzen zu wollen. Statt die Konflikte zu erkennen, zu denen diese Einstellung unweigerlich zwischen ihnen führen müsste, unterstützen sie sich. Das widerspricht der Behauptung, sie verfolgten die Interessen ihrer Länder. Foto: Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America - Nigel Farage, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=160529911.
Deutschland zuerst? Nicht mit der AfD
Zwei mögliche Gründe erklären, warum sich die AfD mit anderen „Unser Land zuerst“-Parteien verbündet:
- Sie übersieht die absehbaren Konflikte. Wenig überzeugend. In einer Partei mit tausenden Mitgliedern würde wahrscheinlich jemand den Fehler erkennen.
- Sie meint die „Zuerst“-Rhetorik nicht ernst. Eine mögliche Erklärung.
Die „Zuerst-Rhetorik“ ist klassischer Populismus. Sie behauptet, egoistische Politik sei klüger, realistischer, ehrlicher als das Gutmenschentum anderer Parteien. Diese Parteien seien aber zu schwach oder böse, dies zuzugeben.
In Wahrheit seien Populisten selbst schlechte Egoisten, schreibt Janan Ganesh in der Financial Times. Sie betrachten Politik als eine Art Sport, dessen Folgen sie nicht interessieren müssen. Müssen sie aber.
Anders formuliert: In der Politik gewinnen alle oder keiner. Kluge Egoisten verstehen das und arbeiten daran, dass alle gewinnen. Dadurch gelangen sie zum gleichen Ergebnis wie kluge Gutmenschen und alle zwischen diesen Extremen.
Wie wir Populismus erkennen und aus der Politik verbannen, erfahren Sie in meinem Buch „Es gewinnen alle oder keiner“.

Artikelbild: Deutschland zuerst. Und Ungarn. Und… AfD-Vorsitzende Alice Weidel auf der Konferenz CPAC Hungary (Conservative Political Action Conference) in Ungarn im Jahr 2025. CPAC-Konferenzen finden unter anderem auch in Brasilien und Polen statt. Oft beschäftigen sie sich inzwischen wenig mit konservativer Politik und eher mit demokratiefeindlichem Populismus. Foto: Elekes Andor – Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166616164.




